Geschichte der Feuerwehr Bargstedt 1945 bis 1984

Nach Beendigung des II. Weltkrieges übernahm Ortsbrandmeister Wilhelm Holsten wieder die Freiwillige Feuerwehr Bargstedt. Hiervon setzte er Kreisbrandmeister Heyderich schriftlich in Kenntnis. Ebenfalls teilte er dem Kreisbrandmeister mit, dass Geräte, Ausrüstungsgegenstände und Werkzeuge, die auf dem Boden des Gerätehauses untergebracht waren, verschwunden waren. Er schrieb: „Da ich die Wehrleute wieder voll einkleiden muss und die Wehr einsatzbereit halten muss, bitte ich um Nachricht, wie der Fehlbestand zu ergänzen ist“.

 

Der Kreisbrandmeister informierte die Feuerwehren durch Rundschreiben, die auch die Anordnungen der englischen Militärregierung über das Feuerlöschwesen enthielten. So mussten an den Fahrzeugen und Anhängern seitlich neue Beschriftungen angebracht werden mit der Aufschrift: FIRE SERVICE FEUERWEHR

 

Vorgeschrieben war die Schrifthöhe, die Schriftstärke, die Farbe der Schrift und die Schriftart. Es gab Anweisungen über die Mannschaftsstärke, über die Entlassungen überzähliger Mannschaften, aber auch Notdienstverpflichtungen waren weiter erlaubt. Dienstverweigerungen mussten dem Kreisbrandmeister zur Bestrafung gemeldet werden. Feueralarm durch Luftschutzsirenen war verboten, zur Alarmierung sollte sofort in jedem Ort ein Fernsprecher freigeschaltet werden. Es wurden Fahrtenbücher für die Fahrzeuge vorgeschrieben. Über Benzinein- und –ausgänge mussten ebenfalls Nachweise geführt werden. Benzin und Oel wurde durch Benzingutscheine vom Kreisbrandmeister zugeteilt. Polizei und Feuerwehr wurden völlig voneinander getrennt. Jede Gemeinde sollte eine Feuerlöschkommission bilden, der örtliche Brandmeister musste dieser angehören. Die Kommission hatte die Aufgabe der Überwachung und Durchführung der geltenden Gesetze über die Feuerwehr und die Feuerverhütung, Überwachung der gemeindeeigenen Feuerlöscheinrichtungen, Unterstützung des Brandmeisters bei Bränden, Sicherung des geretteten Inventars, Fürsorge für abgebrannte Hausbewohner und Unterbringung des Viehs. Jährlich zweimal mussten sämtliche Löschwasserstellen von der Kommission überprüft werden.

 

Am Samstag, dem 08. Dezember 1945 erhielten alle Kameraden vom Ortsbrandmeistewr Holsten folgende Nachricht: „Heute um 7 Uhr abends erscheinen sämtliche Feuerwehrleute zwecks Empfang von Uniformen und Ausrüstungsgegenständen. Die Männer, die noch oder schon Uniformen haben, müssen die natürlich auch anziehen. Auch Stahlhelme sind mitzubringen zwecks Erneuerung. Fehlen darf keiner“.

 

Im Juni 1947 wurde an den Kreisbrandmeister ein Antrag „auf Zuweisung von zwei Garnituren Fahrradbereifung zum dringenden Gebrauch für das Dienstfahrrad der Freiwilligen Feuerwehr Bargstedt“ gestellt. In einem Rundschreiben des Kreisbrandmeisters vom 5. Januar 1948 heißt es: „Fahrräder- und Fahrradbereifung–Kontingent ist aufgelöst. Sämtliche im Jahre 1947 gestellten Anträge sind zurückgegeben. Die Antragsteller haben sofort bei ihrem Bürgermeister neue Anträge zu stellen. Die Bürgermeister sollen die Feuerwehr aus ihrem örtlichen Kontingent versorgen“. In diese Zeit fallen auch die ersten Feuerwehrtreffen in den Unterkreisen und auf Kreisebene. Die ersten Bedingungen für den „Wettkampf der Freiwilligen Feuerwehren im Gruppenangriff“ werden erlassen.

 

WETTKAMPFBEDINGUNGEN

 

Vom Kreisbrandmeister werden Jahresdienstpläne für die Feuerwehren aufgestellt. Diese beinhalten auch eine jährliche Großübung im Unterkreis.

 

DIENSTPLAN

 

Vom 20. Juni 1948 00.00 Uhr bis 18.00 Uhr musste die Freiwillige Feuerwehr Bargstedt das Gemeindebüro bewachen.  Grund für diesen ungewöhnlichen Dienst war die Ausgabe der neuen Währung  DM. Am 21. Juni 1948 konnten die Bürger dann das erste Mal mit der harten DM einkaufen gehen.

 

Ortsbrandmeister Wilhelm Holsten teilte dem Bürgermeister der Gemeinde Bargstedt am 2. August 1949 schriftlich mit: „Am 10. d. M. lege ich mein Amt als Ortsbrandmeister der Gemeinde Bargstedt nieder. Ich bitte an meine Stelle einen neuen Brandmeister zu setzen. Bemerken möchte ich noch, dass die Feuerwehr wegen schlechtem Schlauchmaterial und nicht vorhandener Trockeneinrichtung zur Zeit nicht einsatzfähig ist“. Ob es aufgrund   dieses Rücktritts neue Schläuche und eine Trockenvorrichtung für die Feuerwehr gab, ist nicht dokumentiert. Wilhelm Holsten machte aber als Ortsbrandmeister weiter.

 

Am 17. September 1950 war die Freiwillige Feuerwehr Bargstedt erstmals Ausrichter der Endkämpfe um den Kreismeister. Es  hatten sich 16 Gruppen in den Wettkämpfen  ihrer Unterkreise für den Endkampf qualifiziert. Der Unterkreis Bargstedt war durch die Gruppe der Freiwilligen Feuerwehr Reith vertreten. Kreismeister wurde die Gruppe aus Düdenbüttel. Der Eintritt betrug 50 Pfennig, für Wettkampfteilnehmer war der Besuch frei.

 

In einem Schreiben des Kreisbrandmeisters vom 25. September 1952 wurden „Übungen betr. Wasserförderung über lange Wegstrecken“ angeordnet.

 

Am Sonntag, dem 05.10.1952 in Bargstedt Treffpunkt 9 ½ Uhr bei der Badeanstalt. Spritzen und Schläuche werden gestellt von den Freiwilligen Feuerwehren Bargstedt, Ohrensen und Hollenbeck. Die Übung gilt für die Unterkreise Deinste, Bargstedt, Harsefeld.

Von jeder Wehr dieser Unterkreise nehmen 1 – 2 Maschinisten an der Übung teil. Der Brandmeister ist selbstverständlich ebenfalls willkommen“.

 

In einer Aufstellung vom 1. Januar 1953 über Stroh- und Reetdächer in Bargstedt wurden folgende Angaben gemacht:

 

 

Wohnhäuser (allein)Anzahl

Wohn- und Wirt-schaftsgebäude(unter einem Dach)

Scheunen, Ställe, Schuppen

Stroh- und Reetdächer

3

34

25

Harte Bedachung einschließlich Pappdach

37

61

104

 

Die Einwohnerzahl betrug 950. Die Freiwillige Feuerwehr hatte 25 Mitglieder.

 

Im Herbst 1954 wurden junge Männer in Bargstedt für den aktiven Dienst in der Feuerwehr geworben. Im Dezember 1954 und Januar 1955 wurden dann 13 Männer neu als aktive Mitglieder in die Feuerwehr aufgenommen. Sie wurden eingekleidet und für den Feuerwehrdienst ausgebildet. Da das Geld in der Kameradschaftskasse knapp war, kam man auf die Idee, eine Theatergruppe aufzubauen. Lehrer Hillmann stellte sich zur Verfügung und übte die Stücke mit den Schauspielern ein. Neben Auftritten in Bargstedt gab es auch Auftritte in Farven, Ahlerstedt und Bliedersdorf, um nur einige Orte zu nennen.

 

1954 hatte Willy Burfeindt Dietrich Steffens als stellvertretenden Ortsbrandmeister abgelöst. Mitte der fünfziger Jahre begann die große erfolgreiche Zeit der Bargstedter Wettkampfgruppe. Es gab kaum eine Jahreshauptversammlung, auf der nicht über die Wettkampferfolge berichtet werden konnte. Ein Wettkampfteilnehmer berichtet; „Wir hatten zu der Zeit noch keine genormten Saugschläuche, unsere waren 25 cm länger. Dadurch dauerte die Entlüftung natürlich länger, aber beim Kuppeln waren wir immer schnell. So konnten wir das längere Ansaugen wieder wettmachen. Geübt haben wir bei Hinrich Dammann auf der Diele“.

 

Nach 1950 war die Freiwillige Feuerwehr Bargstedt auch 1956 und 1958 Ausrichter der Kreiswettkämpfe. Bei beiden Wettkämpfen um den Kreismeister war Bargstedt mit einer Gruppe dabei. Damals war es bei Wettkämpfen so üblich, dass alle Kameraden antreten mussten, um dann gemeinsam mit Musikbegleitung zum Wettkampfplatz zu marschieren.

 

1956 wurde die Gemeinde Bargstedt erstmals von der Kreisschirrmeisterei aufgefordert, eine neue Tragkraftspritze anzuschaffen, da es für die alte Koebe-Spritze keine Ersatzteile mehr gab. Die Gemeinde Bargstedt lehnte eine Ersatzbeschaffung ab. Es gingen mehrere Schreiben hin und her. 1958 schickte die Gemeinde Bargstedt folgende Begründung zum Landkreis: „Da die Freiwillige Feuerwehr Bargstedt bei Wettkämpfen laufend Siege erringt, gehen wir davon aus, dass die Tragkraftspritze noch einwandfrei einzusetzen ist“. Der Kreisschirrmeister antwortete: „Das Gerät ist bei derartigen Veranstaltungen nur eine kurze Zeit wirklicher Belastung ausgesetzt. Aus diesem Grunde ist es unmöglich, Vergleiche mit dem Ernstfall anzustellen. Die Überbrückung der letzten beiden Jahre war mit größter Wahrscheinlichkeit nur durchführbar, weil die örtliche Wehr von größeren Einsätzen, verbunden mit einer langen Laufzeit der Kraftspritze,  verschont geblieben ist. Die Annahme, den augenblicklichen Zustand als einsatzbereit zu bezeichnen, ist irrig und kann keineswegs geteilt werden. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass von Seiten der Kreisschirrmeisterei keine Garantie für einen reibungslosen Einsatz übernommen werden kann. Im Interesse der Allgemeinheit und zur Vermeidung von Unannehmlichkeiten für die beteiligten Stellen wird die Beschaffung einer neuen Kraftspritze als Sofortmaßnahme vorgeschlagen“.

 

Nach diesen klaren Worten des Kreisschirrmeisters war es dann soweit: das LLG aus dem Jahre 1942 erhielt einen neuen Motor und eine Vorbaupumpe von der Firma Metz. Aus dem LLG wurde so ein LF 8 (Löschgruppen-Fahrzeug mit einer Pumpe, die eine Leistung von 800 ltr/min hatte). Die alte Koebe-Spritze war noch bis 1970 im Einsatz.

 

In einer Versammlung am 16. Dezember 1960 fand in Anwesenheit von Kreisbrandmeister Heyderich eine Ortsbrandmeisterwahl statt. Es waren 20 Kameraden anwesend. Als Wahlleiter wurde der Kreisbrandmeister gewählt. Vor der Neuwahl gab der Kreisbrandmeister einen Bericht über die Leistungen der Freiwilligen Feuerwehr unter der Leitung von Ortsbrandmeister Wilhelm Holsten ab. Zum neuen Ortsbrandmeister wurde der bisherige Stellvertreter Willy Burfeind vorgeschlagen und einstimmig gewählt. Zu seinem Stellvertreter ernannte der neue Ortsbrandmeister den Hauptfeuerwehrmann Werner Heins. Der bisherige Ortsbrandmeister Wilhelm Holsten wurde von den Feuerwehrkameraden und dem Kreisbrandmeister nach 23-jähriger Tätigkeit als Ortsbrandmeister zum Ehrenbrandmeister und Ehrenmitglied der Freiwilligen Feuerwehr Bargstedt einstimmig ernannt.

 

Im Februar 1962 wurde die Freiwillige Feuerwehr tagelang in Kehdingen zum Kellerauspumpen und zu Aufräumarbeiten eingesetzt, um die Schäden der schweren Sturmflut zu beseitigen.

 

Unter Ortsbrandmeister Willy Burfeindt wurde die Wehr weiter verjüngt. Die Wettkampferfolge stellten sich durch ständiges Üben weiterhin ein. In einem Protokoll vom April 1967 wird erstmals erwähnt, dass die Freiwillige Feuerwehr Bargstedt an einer Katastrophenschutzübung der Feuerwehrbereitschaft des Landkreises Stade teilgenommen hat. Die schon während des 2. Weltkrieges gebildeten Bereitschaften waren neu aufgestellt worden. Nach dieser Umbildung war Bargstedt stets fester Bestandteil der Feuerwehrbereitschaft des Landkreises.

 

In seiner Sitzung am 1. November 1967 beschloss der Bargstedter Gemeinderat einstimmig, 1968 ein neues Fahrzeug für die Feuerwehr  zum Preis von 27.500 DM anzuschaffen. Von der Firma Opel wurde das Fahrgestell geliefert, der Feuerwehraufbau und die Vorbaupumpe erfolgte durch die Firma Magirus. Das Fahrzeug wurde von den Feuerwehrkameraden Willy Burfeindt, Herbert Hagenah, Ernst Fromhage und Herbert Woltmann (Gemeindedirektor in Bargstedt und aktives Mitglied der Feuerwehr) aus dem Werk in Ulm abgeholt und nach Bargstedt überführt. Das Gerätehaus musste umgebaut werden, um das neue höhere Fahrzeug einstellen zu können. So wurde der Fußboden in Eigenleistung um 10 cm abgesenkt. Am 11. Mai 1968 wurde der Opel-Blitz in einer Feierstunde offiziell an die Freiwillige Feuerwehr Bargstedt übergeben.

 

Ein weiterer Meilenstein in der Bargstedter Feuerwehrgeschichte war das Jahr 1970. In der Bahnhofstraße wurde von der Gemeinde ein neues Feuerwehrgerätehaus gebaut und von der Feuerwehr 1971 bezogen. Es handelte sich um ein architektonisch modernes Gebäude mit 2 Einstellplätzen, Toilette mit Dusche, kleiner Küche und einem Gruppenraum.

 

Ebenfalls im Jahre 1970 wurde eine neue TS 8/8 von der Firma Magirus angeschafft. Die TS hat einen 34 PS VW-Motor und ist noch heute bei der Freiwilligen Feuerwehr Bargstedt im Einsatz. Durch diese Investitionen wurde das Großgerät einschließlich Feuerwehrgerätehaus innerhalb von 2 Jahren erneuert. Das Grundstück für das Gerätehaus war von der Kirche erworben worden. Als Ersatz erhielt die Kirche das Grundstück, auf dem sich das alte Gerätehaus befand und eine Ausgleichszahlung. Das alte Gerätehaus wurde von der Feuerwehr in Eigenleistung abgerissen.

 

Die Ausrüstung wurde in den nächsten Jahren ständig verbessert. Da man zur Feuerwehrbereitschaft des Landkreises Stade gehörte, wurde die Freiwillige Feuerwehr Bargstedt vom Landkreis mit einem Funkgerät und 2 Atemschutzgeräten ausgerüstet. Ein weiteres Atemschutzgerät wurde später von der Gemeinde beschafft. Das vierte Gerät wurde durch eine großzügige Spende eines Bargstedter Zahnarztes finanziert.

 

Auf der Jahreshauptversammlung am 12. Januar 1973 legte der stellvertretende Ortsbrandmeister Werner Heins auf eigenen Wunsch seinen Posten nieder. Jürgen Vogt wurde an diesem Abend zum neuen stellvertretenden Ortsbrandmeister gewählt. Am 17. Januar 1975 wurde Rüdiger Imhoff zum Nachfolger von Willy Burfeindt zum Ortsbrandmeister vorgeschlagen. Alle anderen Kameraden lehnten eine Wahl ab.

 

Im Protokoll der Jahreshauptversammlung vom Februar 1976 steht geschrieben, dass die Freiwillige Feuerwehr Bargstedt im Januar nach der schweren Sturmflut 9 mal nach Drochtersen und Dornbusch ausrücken musste und für diese Einsätze 821 Stunden verbucht wurden.

 

1978 konnten das erste Mal 9 junge Damen als aktive Mitglieder auf der Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr begrüßt werden. Die Feuerwehrfrauen wurden ausgebildet und übten fleißig für die Wettkämpfe, an denen sie dann auch sehr erfolgreich teilnahmen. Damengruppen gab es seinerzeit auch in Wohlerst und Kakerbeck. Von den 9 Feuerwehrfrauen, die 1978 in die Bargstedter Ortswehr eintraten, sind heute noch zwei in unseren Reihen aktiv.

 

Im September 1982 gab es einige Unstimmigkeiten bezüglich des Einsatzfahrzeugs zwischen Ortsbrandmeister Rüdiger Imhoff und dem Träger der Feuerwehr, der Samtgemeinde Harsefeld. Imhoff wurde aus dem Ehrenbeamtenverhältnis von der Samtgemeinde Harsefeld entlassen und der stellvertretende Ortsbrandmeister Jürgen Vogt kommissarisch zum Ortsbrandmeister ernannt. Auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 19. Oktober 1982 wurde Rüdiger Imhoff erneut von seinen Kameraden zum Ortsbrandmeister vorgeschlagen. Die Bestätigung und Ernennung durch die Samtgemeinde ließ lange auf sich warten. Erst nach einem Schreiben des stellvertretenden Ortsbrandmeisters Jürgen Vogt an die Samtgemeinde, dass er nicht mehr bereit sei, die Ortswehr kommissarisch zu leiten, wurde Rüdiger Imhoff wieder zum Ortsbrandmeister ernannt.

 

   
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Quelle: Deutsche Wetterdienst
Letzte Aktualisierung 17/10/2017 - 18:59 Uhr
   

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