Geschichte der Feuerwehr Bargstedt bis 1945

Aus der ältesten Aufzeichnung, die bei der Bargstedter Feuerwehr vorhanden ist, geht hervor, dass am 1. August 1845 vom Glockengießer Kavatsei aus Walsrode je eine Handdruckspritze vom Kirchspiel Bargstedt und Mulsum gekauft wurde. Der Kaufkontrakt für das Kirchspiel Bargstedt wurde unterzeichnet vom Vollhöfner Rehder aus Helmste, dem Vollhöfner Mehrkens aus Hollenbeck und dem Vollhöfner Heins aus Oersdorf. Der Vertrag   wurde in Harsefeld aufgestellt und unterschrieben. Die Handdruckspritze war bei der Kirche in Bargstedt in einem Spritzenhaus stationiert, man sprach von sogenannten Kirchspielspritzen. Das Spritzenhaus befand sich an der Ecke des Friedhofes, gegenüber der Gaststätte Düwer und wurde vom Kirchspiel Bargstedt gebaut und unterhalten.

1901 forderte der Kreis Stade die Gemeinde Bargstedt auf, eine Löschübung für Gemeinde–Feuerlöschanstalten, durchzuführen. Der Kreis verlangte eine schriftliche Antwort auf einem vorgefertigten Fragebogen. Die Antwort ging am 22. Oktober 1901 beim Kreis Stade ein. Die Antwort enthielt folgenden zusammengefassten Inhalt: In Bargstedt ist eine 56 Jahre alte Wagenspritze vorhanden (Besitzer: Kirchspiel Bargstedt). Die Anschaffungskosten der Spritze betrugen 1500 Mark. Zitat: “Die Pumpe wurde vor 4 Jahren sehr verbessert, so dass sie jetzt als vorzüglich bezeichnet werden kann“. Sie hatte ein neues Ansaugrohr mit Saugfilter und 200 Meter neue Schläuche erhalten. „Die Wagenspritze steht im Spritzengebäude, einem massiven Gebäude mit fester Bedachung“. Weiter vorhanden waren drei Wassertonnen, eine Feuerleiter, sechs Feuerhaken   und drei Feuereimer. Das Löschwasser wurde aus Feuerteichen mit großem Wasservorrat entnommen. Über die Organisation der Mannschaft steht geschrieben: „Wir sind mit vier Mann bei der Spritze, so ist das schon immer gewesen“.

 

In einem Schreiben des Landrates des Kreises Stade vom 18. Oktober 1901 heißt es: Durch die §§ 31 bis 40 der Polizeiverordnung des Herrn Ober-Präsidenten vom 27. September 1901 betreffend der Regelung der Feuerlöschverbände ist bestimmt worden, dass die Gemeinden sich gegenseitig Feuerlöschhilfe zu leisten haben, und zwar in einem Umkreis von 7,5 km ohne Aufforderung. Dieses waren für Bargstedt die Orte:  Ahlerstedt, Aspe, Brest, Frankenmoor, Harsefeld, Hollenbeck, Issendorf, Kakerbeck, Oersdorf, Ohrensen, Reith, Wedel und Wohlerst. In einem  weiteren Schreiben heißt es: „Feuerlöschhilfe ist auch in den Waldungen respektive vielfältigen Revieren im Forstort Ohrensen zu leisten“. Nach Aufforderung war die Gemeinde verpflichtet Löschhilfe in Ahrenswohlde, Ottendorf, Wangersen, Deinste, Helmste, Kutenholz und Ahrensmoor zu leisten. Voraussetzung war, dass die Orte auf guten Wegen zu erreichen waren.

 

Am 15. Februar 1902 wurde in Bargstedt die Pflichtfeuerwehr gegründet. Der Pflichtfeuerwehr gehörten bei der Gründung 19 Männer aus Bargstedt an. Zum Brandmeister wurde der Tischlermeister Johann Steffens einstimmig gewählt, zu seinem Stellvertreter der 1/5 Höfner Joachim Stelling. Beide nahmen die Wahl an. Das eingereichte Ortstatut für die Landgemeinde  Bargstedt betreffend die Bildung einer Pflichtfeuerwehr wurde am 8. März vom Kreisausschuss des Kreises Stade genehmigt.

 

Man übernahm die Wagenpumpe und das Spritzenhaus von der Kirchengemeinde, nachdem sich alle anderen Orte des Kirchspiels hiermit einverstanden erklärten.

 

Am 6 Juni 1902 verlangte der Landrat eine Aufstellung über die Organisation der Pflichtfeuerwehr Bargstedt. Diese sah wie folgt aus: „

1.     Zum Pumpen und Wasserherbeischaffen 20 Mann

2.     Zur Aufrechterhaltung der Ordnung und Bewachung der geretteten Sachen 4 Mann

3.     Zur Alarmierung der Spritze 6 Mann

4.     Mit dem Fuhrwerk haben wir es bis jetzt so gehabt, wer am ersten zu haben war, der musste anspannen, dass sollte auch so bleiben“.

Weitere Angaben zur Pflichtfeuerwehr können nicht gemacht werden, da aus dieser Zeit keine Unterlagen vorhanden sind.

 

Am 15. Oktober 1927 wurde in einer Bürgerversammlung die Freiwillige Feuerwehr Bargstedt von 20 Männern gegründet und löste die seit 1902 bestehende Pflichtfeuerwehr ab. Zum ersten Kommando gehörten: Dietrich Oelkers, Hauptmann; Dietrich Steffens, Adjudant; Hinrich Dammann, 1. Zugführer; Hinrich Bösch, 2. Zugführer und Adolf Dammann, Schriftführer.

 

Mit einem Schreiben vom 5. Dezember 1927 an das Landratsamt Stade wurde die Genehmigung beantragt. Als Anlagen erhielt das Landratsamt eine Mitgliederliste und eine handgeschriebene 17 § umfassende Satzung. Eine Antwort erhielt man am 10. Februar 1928, hieraus geht hervor, dass die Freiwillige Feuerwehr Bargstedt vom Landratsamt anerkannt wurde.

 

Schon im Juni 1928 legte das gesamte Kommando die Ämter nieder. Der Grund dafür war - wie in einem Protokoll zu lesen ist -, dass der Ortsausschuss Bargstedt nicht bereit war, die Ausrüstung für die Feuerwehr anzuschaffen. Man lehnte aber die Selbstanschaffung der Ausrüstung ab. Daraufhin wurde Brandmeister Dietrich Oelkers durch den Tischler Peter Höft abgelöst. Zu Stellvertretern wurden Kaufmann Joh. Ehlers, Klempner Wilhelm Wohlers und Anbauer Peter Viebrock gewählt.

 

Im Mai 1931 legte Brandmeister Peter Höft sein Amt nach Ablauf der Dienstzeit nieder, zum neuen Brandmeister wurde der Tischler Dietrich Steffens gewählt.1934 wurde wieder der Schmiedemeister Dietrich Oelkers Brandmeister und der bisherige Brandmeister Dietrich Steffens sein Stellvertreter. 1935 hatte die Freiwillige Feuerwehr Bargstedt 29 Mitglieder. Es wurde eine neue Satzung erlassen. Nach Annahme der neuen Satzung wurde die Freiwillige Feuerwehr vom Kreisfeuerwehrführer Waller aus Stade abgenommen. „Die Freiwillige Feuerwehr entspricht den gestellten Anforderungen, ist nach Vorschrift eingekleidet und nach Vorschrift ausgebildet“, so das Urteil des Kreisfeuerwehrführers.

 

Am 8. August 1936 gründeten die Gemeinden Bargstedt, Ohrensen, Brest, Reith, Wohlerst, Kakerbeck und Hollenbeck den Feuerlöschverband Bargstedt mit dem Sitz am jeweiligen Wohnort des Verbandsvorsitzenden. Zweck des Verbandes war die gemeinsame Beschaffung und Unterhaltung von Großgeräten nebst Zubehör zur Bekämpfung von Schadenfeuern. Was als Großgerät und Zubehör anzusetzen war, entschied bei Streit und Zweifeln der Kreisfeuerwehrführer. Für die Beschaffung und Unterhaltung der sonstigen Löschgerätschaften, der Handdruckspritzen nebst Zubehör, der Löschwassereinrichtungen, Gerätehäuser, Alarmvorrichtungen und der Ausrüstungsstücke der Feuerwehrmänner usw. hatte jede Gemeinde selbst zu sorgen.

 

1937 wurde durch die Gemeinde Bargstedt ein Antrag an den Provinzialfeuerwehrverband Hannover auf die Anschaffung einer Kraftspritze gestellt. Der Verbandsvorsteher des Feuerlöschverbandes Bargstedt erhielt folgende Antwort: „Gegen die Beschaffung einer Kraftspritze für die Gemeinde Bargstedt usw. habe ich nichts einzuwenden, da ich aus dem mir übersandten Fragebogen ersehe, dass die notwendigen Voraussetzungen erfüllt sind bzw. werden. Sobald die Kraftspritze beschafft ist, bitte ich um rechtzeitige schriftliche Anberaumung eines Abnahmetermins“. Am 31. Juli 1937 wurde die Kraftspritze abgenommen.

 

Im November 1937 fand wieder ein Wechsel an der Spitze der Freiwilligen Feuerwehr Bargstedt statt. Der Kaufmann Wilhelm Holsten wurde Brandmeister und der Schmied Johannes Oelkers sein Stellvertreter.

 

Aufgrund eines Runderlasses des Reichsführers SS und Chefs der Deutschen Polizei vom 27. Dezember 1939 wurden die Feuerwehren aufgefordert    eine Mitgliederliste beim Kreisführer der Feuerwehr vorzulegen. Die Wehr Bargstedt hatte in der am 25. Juli aufgestellten Liste 26 Mitglieder, von   denen jedoch bereits 13 zur Wehrmacht eingezogen waren.

 

Zwischen der Kirchengemeinde Bargstedt und der Gemeinde Bargstedt wurde am 4. März 1940 folgende Vereinbarung getroffen: „Die ev. luth. Kirchengemeinde hat der politischen Gemeinde Bargstedt ein Grundstück an der Kirche veräußert. Die politische Gemeinde Bargstedt hat auf diesem Grundstück ein Feuerwehrgerätehaus (1937) errichtet. Bei Abschluss des Kaufvertrages ist vereinbart worden, dass die Kirchengemeinde auf dem Grundstück der politischen Gemeinde in dem Feuerwehrgerätehaus Abortanlagen einbauen kann, die dann den Kirchgängern und Konfirmanden zur Verfügung gestellt werden können. Die Abortanlage ist auf Kosten der Kirchengemeinde errichtet und die politische Gemeinde verpflichtet sich nun unwiderruflich zu dulden, dass diese Abortanlage von den Kirchgängern und Konfirmanden benutzt werden kann. Für die Instandsetzung und Reinigung der Abortanlage hat die Kirchengemeinde Sorge zu tragen“. Der Vertrag wurde von Bürgermeister Willi Heins, Pastor Hans-Robert Wesenick und den Kirchenvorstehern Jürgen Fitschen  aus Hollenbeck und Diedrich Vagts aus Bargstedt unterzeichnet.

 

Am 6. Februar 1941 wurde Brandmeister Wilhelm Holsten zur Luftnachrichten-Kompanie in Bederkesa einberufen. Bereits im März 1941 wurden vom Kreisführer der Feuerwehr mehrere Anträge auf Rückbeorderung des Wehrführers Holsten gestellt. Begründung: „Die Gemeinde Bargstedt hat ein leichtes Löschgruppenfahrzeug, das für den Feuerschutz von 7 Dörfern vorgesehen ist, da diese nur alte Handdruckspritzen haben. Da kein geeigneter Führer vorhanden ist, ist die UK-Stellung erforderlich, weil sonst der Einsatz der Wehr in Frage gestellt ist“.

 

Das 1941 bestellte LLG (Leichtes-Lösch-Gruppenfahrzeug) wurde 1942 bei der Freiwilligen Feuerwehr Bargstedt in Dienst gestellt. Das LLG wurde von der Firma Mercedes-Benz geliefert, Typ 1500 S. Es hatte 4 Zylinder, 60 PS, fuhr bis zu 70 km/h und bot 9 Kameraden Platz. Aus einem Beihilfeantrag aus dem Jahre 1942 zur Verbesserung der Feuerlöscheinrichtungen wurden folgende Angaben über die Gemeinde und die Feuerwehr gemacht:

 

1.     Einwohnerzahl: 685

2.     Zahl der Hausnummern: 98

3.     Anzahl der Strohdächer: 65

4.     Sind besonders feuergefährliche Betriebe vorhanden? Ja

Welche? Hanflager, Eierverwertung, Höfe

5.     Kopfstärke der Wehr: 22

6.     Wie viel aktive Feuerwehrführer und  –männer haben die Feuerwehrschule

besucht? 5

7.     Ist ausreichendes Gerätehaus vorhanden und in welchem Zustand?

Ja,   guter Zustand

8.     Welche Alarmeinrichtungen sind vorhanden und reichen diese aus? Durch Hornsignal, ausreichend

Am 25. November 1942 wurde der Antrag positiv beschieden, man erhielt eine Summe von 291 Mark, eingereicht war eine Summe von 1217,65 Mark.

 

Ebenfalls 1942 hat die Gemeinde 2 neue Hydranten (Bohrbrunnen) wegen starker Fliegergefahr einbauen lassen.

 

Im Sommer 1943 wurde Hamburg fast täglich aus der Luft angegriffen, dabei wurden einige Stadtteile total zerstört. Die Freiwillige Feuerwehr Bargstedt wurde dreimal in Hamburg zum Löschen brennender Gebäude eingesetzt und zwar am 20., 23. und 28. Juli.

 

Im November 1943 wurden 13 Frauen notverpflichtet als Feuerwehrhelferinnen, 4 weitere als Helferinnen in der Ersten Hilfe. Im Dezember 1944 kamen weitere 17 Frauen dazu, denn die im November 1943 verpflichteten waren mittlerweile als Flak-Helferinnen eingesetzt worden. Eine Feuerwehrhelferin von 1944 erzählte: „Wir mussten immer gemeinsam üben, auch mit den Frauen aus den Nachbarorten zusammen, aber bei einem Einsatz sind wir nie dabei gewesen“.

 

Im September 1944 wurde der kommissarische Brandmeister Dietrich Steffens für eine Baustelle in Cuxhaven-Berensch verpflichtet, auch hier wurden die Anträge auf Rückbeorderung abgelehnt. Ein erneuter Antrag hatte im Januar 1945 Erfolg. Dietrich Steffens wurde entpflichtet und stand der Freiwilligen Feuerwehr Bargstedt wieder zur Verfügung.

 

Auch Bargstedt blieb vom Krieg nicht verschont, im April 1945 wurde der Ort zweimal angegriffen. (Folgende Zusammenfassung stammt aus dem Stader Tageblatt vom 26. April 1975. „30 Jahre später: Erinnerungen an die letzten Tage des II. Weltkrieges“. Ein Bericht von A. P. Krönke). Die Bahnlinie Harsefeld – Bremervörde wurde von einer deutschen Kampftruppe (60 – 80 Mann) verteidigt. Am 23. April nachmittags griffen zwei Panzerspähwagen aus Richtung Brest Bargstedt an. Durch den Beschuss gerieten die Gebäude von Dietrich Oelkers, Hinrich Robohm, Diedrich Gerdes (Nr. 51) und das Wohnhaus von Martha Tobaben in Brand und gingen in Flammen auf. Der zweite Angriff auf Bargstedt erfolgte am 29. April. Wieder wurde aus Richtung Brest angegriffen. Dabei wurden die Wirtschaftsgebäude von Hinrich Gerdes (Nr. 82), Martha Tobaben und Wilhelm Quelle in Brand geschossen. Der Bauer und Hausschlachter Johann Lemmermann geriet auf seinem Acker in die Schusslinie und wurde getötet. Man fand seine Leiche erst einige Tage später. Weiter heißt es: „Mit dem Abzug der letzten deutschen Truppenteile näherte sich die schwere Zeit für Bargstedt ihrem Ende. Am Morgen des 30. April herrschte Totenstille im Dorf. Gegen Mittag setzte dann plötzlich von Ahlerstedt her Granatfeuer ein. Mehrere Häuser wurden getroffen. Die Bewohner hockten in den Kellern. Leuchtkugeln stiegen auf. Das Feuer wurde in Richtung Frankenmoor vorverlegt. Und dann kommen die Panzer. Von Brest, von Aspe rücken sie hinein in das Dorf, rollen straßauf, straßab und schießen, als ob jeder Hof ein Widerstandsnest wäre. Dabei fangen die Gebäude von Hinrich Bösch Feuer. Der ganze Hof brennt nieder. Rettung ist unter den gegebenen Verhältnissen unmöglich“. Weiter heißt es: „Inmitten dieses aufregenden Tages, der für Bargstedt das Ende der Kriegshandlungen brachte, meldete sich bei einer Mutter im Dorf ein junger Erdenbürger an, der es trotz allem für aussichtsreich erachtete, diese kriegerische Welt zu betreten. Weder Hebamme noch Arzt konnten der Frau zur Seite stehen. Man wandte sich in der Notlage an die Männer, die soeben mit Waffengewalt in das Dorf eingedrungen waren. Ein englischer Arzt sorgte dafür, dass die Mutter zunächst ins Feldlazarett nach Harsefeld und dann weiter nach Zeven transportiert und dort entbunden wurde. Sie musste allerdings 14 Tage später den 33 km langen Weg mit dem Kindchen zu Fuß nach Bargstedt zurücklegen“.

 

 

   
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Quelle: Deutsche Wetterdienst
Letzte Aktualisierung 15/12/2017 - 17:04 Uhr
   

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